
Im Jahre 1950 bot Crescini Paolo meinem Vater Rossi Severo seine Gewerbelizenz an. Der in der Via S. Michele gelegene Betrieb bestand damals lediglich aus einem Gasthaus mit nur zwei Zimmern und einer Boccia-Bahn.
1953 verlegten wir den Betrieb in das Bauernhaus an der Piazza Umberto I, in dem unsere Familie wohnte, und bauten den Stall in Hotelräume um. Danach standen den Gästen eine Fläche von 70 qm sowie ein weiteres Zimmer im 1. Obergeschoß und eine Küche zur Verfügung.
In den im oberen Stockwerk gelegenen Räumen gab es einen SW-Fernseher und etwa 50 Sitzgelegenheiten, die jeden Abend mit Ausnahme des Freitagabends bis zur letzten "ausgebucht" waren, da am Freitag eine Komödie übertragen wurde, die lediglich einige ältere Gästen vor den Bildschirm zog. Die Küche war hauptsächlich am Wochenende in Betrieb, wenn die Arbeiter aus Mailand zurück kamen. Bei diesen Anlässen begannen wir, ortstypische Gerichte wie Stockfisch, Kutteln und gekochter Kalbskopf zu servieren.
Meine Familie bestand aus meinen Eltern, meinen Brüdern Giampietro (geb. 1936) und Giuseppe (1952), meiner Schwester Carla (Jahrgang 1938) und meiner Wenigkeit (Bruna, geb. 1946). Neben dem Gaststättengewerbe arbeiteten wir damals noch auf den Feldern, und mein Vater betrieb einen kleinen Viehhandel.
Dies änderte sich 1957, als meine Schwester Carla heiratete. Der Mutter war das Gaststättengewerbe zuviel geworden, ich kam in die Grundschule und Vater wollte den zahlreichen Nachfragen entsprechen und sowohl das Haus als auch die Gewerbelizenz verkaufen. Eines Tages teilte er uns unvermittelt seine Entscheidung mit: Noch um 15 Uhr des gleichen Tages hatte er eine Verabredung mit potentiellen Käufern.
Nachdem er mit ihnen zu einer Vereinbarung gelangt war, trommelte er die ganze Familie zusammen, um uns vor endgültige Tatsachen zu stellen. Ich wollte von seiner Entscheidung jedoch nichts wissen, da ich mich bei meiner Tätigkeit inmitten der Gäste, für die ich das Lieblingskind des Betriebs war, wichtig fühlte.
So gab mein Vater meiner hartnäckigen Weigerung schließlich nach, annullierte den zugesagten Verkauf, nicht ohne mir jedoch bestimmte Gebote vorzugeben: Ich sollte die Schule verlassen und mit den Erträgen der Gastwirtschaft für den Unterhalt der gesamten Familie sorgen!
Stolz willigte ich ein, suchte nach möglichen Verbesserungen des Betriebs, ließ ein Telefon installieren und erwarb eine kleine Musikbox.
1961/2 lagen die ersten Anfragen zu Umbaumaßnahmen vor, so daß wir beschlossen, den Betrieb zu erweitern und die Außenterrasse zu vergrößern. Unser Gasthaus wurde auf den klangvollen Namen Trattoria Belvedere getauft. Wir hatten gut zu tun, und unsere Mühen wurden dadurch belohnt, daß viele Gäste immer wieder gerne in unser Haus zurückkehrten.
1967 heiratete ich und leitete mit meinem Mann den Betrieb, den wir im gleichen Jahre kauften. Wir beschlossen, Erweiterungs- und Umbaumaßnahmen anzusetzen und bauten das ehemalige Fernsehzimmer zu einem Restaurant um, in dem wir Bankette für Hochzeiten, Paare und Familien servierten.
1968 kreierten wir zur Feier der Geburt unseres Sohns Paolo den Paolino-Wein, die Maccheroni alla Belvedere und das Kaninchen nach Weidmannsart, ein besonderer Wein und zwei Gerichte, die sich auch heute noch einer starken Nachfrage erfreuen.
Zu Maßnahmen des weiteren Umbaus führte 1984 die Gründung des Garda Golf Clubs sowie die gleichzeitige Anmeldung unseres Sohns Paolo zur Hotelfachschule. Bald darauf wurden die Räume des Betriebs vergrößert, und es kamen 12 neue Hotelzimmer hinzu.
Angesichts des allgemeinen Erfolgs unseres Hotels begannen wir 1989, Genehmigungen zur baulichen Erweiterung einzuholen, und die nachfolgenden Umbauten, die wir mit einer besonderen Leidenschaft aber auch mit ausgesprochener Hartnäckigkeit verfolgten, ließen schließlich den Betrieb in seinem heutigen Aspekt entstehen.
So brach bald das neue Jahrtausend an, und so entstand das Hotel Porta del Sole.